Ihr Fall in 60 Sekunden geschildert: zur geführten Gutachten-Anfrage Gutachten-Anfrage in 60 Sekunden

Grundlagen · für Unternehmen und Kanzleien

Beweissicherung im Online-Marketing: Warum ein Screenshot selten reicht

Die kurze Antwort: Online-Zustände sind flüchtig. Rankings ändern sich stündlich, Anzeigen rotieren, Inhalte lassen sich löschen, und mit der Kündigung der Agentur endet oft auch der Zugriff auf Konten und Daten. Wer einen Streit kommen sieht, muss sichern, bevor er streitet. Und ein schneller Screenshot ist dabei besser als nichts, aber deutlich weniger, als viele glauben.

Warum Online-Beweise verfallen

Im klassischen Baustreit steht die mangelhafte Wand noch da, wenn der Gerichtstermin kommt. Im Online-Marketing ist das anders:

  • Rankings sind tagesaktuell, personalisiert und standortabhängig. Das Ranking von gestern ist heute nicht mehr reproduzierbar.
  • Anzeigen und Kampagnen lassen sich abschalten und umbauen. Die Änderungshistorie bleibt, aber nur, solange Sie Kontozugriff haben.
  • Websites und Beiträge können von der Gegenseite jederzeit geändert oder gelöscht werden, oft direkt nach dem ersten Anwaltsschreiben.
  • Kontozugänge enden häufig mit dem Vertrag. Was Sie bis zur Kündigung nicht exportiert haben, sehen Sie unter Umständen nie wieder.

Was ist ein Screenshot wert?

Ein Screenshot ist im Zivilprozess grundsätzlich verwertbar, als Teil Ihres Parteivortrags. Sein Problem ist das Gewicht: Er zeigt einen Ausschnitt ohne Kontext, trägt kein verlässliches Datum, ist mit Bordmitteln veränderbar und dokumentiert nicht, wie er entstanden ist. Eine Gegenseite, die ihn angreifen will, findet Ansatzpunkte.

Belastbar wird eine Sicherung durch das, was dem schnellen Bildschirmfoto fehlt:

  • Dokumentierte Methode: Wie, wann, mit welchem Gerät und unter welchen Bedingungen wurde erhoben?
  • Zeitstempel und Protokoll: Nachvollziehbare Erhebungszeitpunkte statt nachträglicher Schätzungen
  • Rohdaten statt Bilder: Datenexporte aus den Systemen (Search Console, Analytics, Ads) wiegen schwerer als Abbilder
  • Vollständigkeit: Auch das Umfeld sichern, nicht nur die eine Seite, die gerade passt
  • Neutrale Erhebung: Eine Sicherung durch einen unbeteiligten Sachverständigen ist schwerer anzugreifen als die eigene

Der wichtigste Rat: Sichern Sie vor der Kündigung

Der teuerste Fehler in meiner Praxis: Ein Unternehmen kündigt der Agentur im Streit, und erst danach beginnt die Suche nach Belegen. Dann sind Konten gesperrt, Zugänge gelöscht, Berichte verschwunden. Deshalb gilt: Erst sichern, dann kündigen. Konkret heißt das, diese Daten zu exportieren, solange Sie Zugriff haben:

  1. Google Ads: vollständige Kontodaten inklusive Änderungshistorie und Rechnungen
  2. Google Search Console und Analytics: Leistungsdaten der letzten 16 Monate, besser länger
  3. Alle Reports, Verträge, Angebote und die relevante Kommunikation (E-Mails, Chat-Verläufe)
  4. Zugangsdaten-Inventar: Welche Konten existieren, wer ist Inhaber, wer Administrator?

Wann die sachverständige Beweissicherung sinnvoll ist

Selbst exportieren können und sollten Sie immer. Eine Sicherung durch den Sachverständigen ist dann sinnvoll, wenn absehbar gestritten wird: Sie dokumentiert flüchtige Zustände (Rankings, Anzeigen, Seiteninhalte, Kanalzustände) zeitgestempelt, methodisch beschrieben und für Dritte nachvollziehbar. Damit entsteht eine Grundlage, mit der Ihr Anwalt substantiiert vortragen kann, statt auf ein umkämpftes Bildschirmfoto zu bauen.

Bei Eilbedarf, etwa wenn die Gegenseite zu löschen beginnt, geht die Sicherung vor und das Gutachten folgt später. Melden Sie sich dann sofort, nicht nach dem nächsten Jour fixe.

Konflikt zeichnet sich ab?

Im kostenfreien Erstgespräch klären wir, was in Ihrem Fall zu sichern ist und wie schnell es gehen muss. Kontakt aufnehmen →

Hinweis: Dieser Beitrag erläutert die fachliche Seite der Beweissicherung und ersetzt keine Rechtsberatung. Ob und wie Beweismittel im Verfahren eingesetzt werden, entscheidet Ihr Anwalt.

Anfrage in 60 Sek.