Checkliste · für Unternehmen
SEO-Agentur prüfen: 10 Warnsignale, die Sie selbst erkennen
Sie müssen kein SEO-Experte sein, um eine schwache SEO-Agentur zu erkennen. Die zehn Warnsignale in diesem Beitrag kann jeder Auftraggeber selbst prüfen, mit den eigenen Reports, dem eigenen Vertrag und drei gezielten Fragen. Je mehr Signale zutreffen, desto dringender ist eine ernsthafte Prüfung.
Das Wichtigste in Kürze
- Gute SEO-Arbeit ist belegbar: konkrete Tätigkeiten, nachvollziehbare Kennzahlen, Geschäftsergebnisse.
- Die häufigsten Warnsignale: vage Berichte, Ranking-Kosmetik, verweigerte Zugänge und Verträge ohne definierte Leistung.
- Ihre stärkste Waffe als Auftraggeber: Eigentum an den eigenen Konten und die simple Frage „Was genau wurde diesen Monat getan?“
Die 10 Warnsignale
1. Berichte zeigen Rankings, aber nie Geschäftsergebnisse
Rankings sind ein Mittel, kein Zweck. Wenn Ihre Monatsberichte seit einem Jahr über Positionen und „Sichtbarkeit“ sprechen, aber nie über Anfragen, Bestellungen oder Umsatz aus der organischen Suche, fehlt entweder das Tracking, oder das Ergebnis.
2. Auf die Frage „Was wurde konkret getan?“ kommt keine Liste
Seriöse Agenturen können jede Abrechnungsperiode mit konkreten Tätigkeiten belegen: welche Seiten überarbeitet, welche Texte erstellt, welche technischen Änderungen umgesetzt. Wer stattdessen mit „laufender Optimierung“ antwortet, beschreibt keine Arbeit, sondern eine Abbuchung.
3. Der Sichtbarkeitsindex steigt, Ihr Umsatz nicht
Ein klassischer Kosmetik-Trick: Rankings für Suchbegriffe aufbauen, die niemand mit Kaufabsicht eingibt. Die Kurve im Report steigt, das Geschäft spürt nichts. Prüfen Sie stichprobenartig: Würden Sie selbst mit diesen Suchbegriffen nach Ihrem Angebot suchen?
4. Garantieversprechen: „Platz 1 bei Google“
Niemand kann Rankings garantieren, Google entscheidet, nicht die Agentur. Wer Garantien verspricht, sagt entweder die Unwahrheit oder arbeitet mit Tricks, deren Risiko Sie tragen. Beides disqualifiziert.
5. Methoden bleiben geheim
„Proprietäre Tools“ und „geheime Strategien“ klingen nach Vorsprung, sind aber meist Nebelkerzen. SEO-Maßnahmen sind erklärbar. Wer Ihnen als zahlendem Kunden nicht erklären kann oder will, was er tut, hat einen Grund dafür.
6. Plötzliche Linkmengen aus dubiosen Quellen
Hunderte neue Verlinkungen von Seiten, die Sie nie gehört haben, gern aus dem Ausland? Eingekaufte Links verstoßen gegen Google-Richtlinien, das Abstrafungsrisiko liegt bei Ihrer Domain, nicht bei der Agentur. Ein Blick in die Search Console (Links-Bericht) genügt oft für einen ersten Eindruck.
7. Massenhaft neue Texte ohne erkennbare Qualitätskontrolle
Seit generative KI billig ist, liefern manche Agenturen Content im Akkord: dutzende Seiten monatlich, austauschbar, fehlerhaft, ungelesen veröffentlicht. Das kann kurzfristig nach Leistung aussehen und mittelfristig Ihre gesamte Sichtbarkeit beschädigen. Lesen Sie stichprobenartig selbst: Würden Sie diesen Text einem Kunden geben?
8. Sie haben keinen Zugriff auf Ihre eigenen Konten
Search Console, Analytics, Google Business Profile, diese Konten gehören Ihnen, nicht der Agentur. Wenn Zugriff „aus technischen Gründen“ nicht möglich sein soll, ist das ein rotes Tuch: Ohne eigene Datensicht können Sie keinen einzigen Report überprüfen.
9. Arbeitsnachweise werden verweigert
Änderungsprotokolle, Ticket-Übersichten, Versionshistorien: Digitale Arbeit hinterlässt Spuren, und deren Herausgabe kostet eine ordentlich arbeitende Agentur wenige Minuten. Eine Verweigerung ist selbst ein Befund.
10. Der Vertrag definiert keine Leistung
„Monatliche SEO-Betreuung: 1.500 €“, mehr steht nicht drin? Dann ist im Streitfall kaum belegbar, was geschuldet war. Prüfen Sie Ihren Vertrag auf konkrete Leistungspositionen, Stundenkontingente oder Lieferobjekte. Fehlen sie, sollten Sie nachverhandeln, spätestens zur Verlängerung.
Was Sie jetzt tun können
- Zugänge einfordern: Lesezugriff auf Search Console, Analytics und alle Werbekonten. Das ist Ihr gutes Recht als Kontoinhaber.
- Die Tätigkeitsfrage stellen: „Bitte listen Sie die konkreten Tätigkeiten der letzten drei Monate auf.“ Die Antwort, oder ihr Ausbleiben, sagt fast alles.
- Verträge und Reports sammeln: Falls es ernst wird, ist eine vollständige Unterlagenlage die halbe Prüfung.
Und wann braucht es den Sachverständigen?
Diese Checkliste ersetzt kein Gutachten, sie sortiert Ihren Verdacht. Wenn mehrere Warnsignale zutreffen, erhebliche Beträge im Raum stehen oder eine Kündigung bzw. Auseinandersetzung bevorsteht, sollte die Prüfung methodisch sauber und dokumentiert erfolgen: als unabhängige Agentur-Prüfung oder SEO-Gutachten, verwertbar gegenüber der Agentur, Ihrem Anwalt oder dem Gericht.
Verdacht erhärtet?
Im kostenfreien Erstgespräch sage ich Ihnen, ob Ihr Fall eine Prüfung rechtfertigt, oder ob Sie mit den Schritten oben schon durchkommen. Fall schildern →